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Liebe Gemeinde,

Nun ist ist es endlich soweit. Die Sommerferien beginnen. Endlich! Wir haben es geschafft. So wird manche Familie aufgeatmet haben, die in den letzten Tagen nur noch mit Hilfe des Familienkalenders überleben konnte: Eins der Kinder musste mittags von der Schule abgeholt werden, das andere hatte ein paar Minuten später Voltigieren auf dem Reiterhof, dann Flötenunterricht, Tennistraining, Noch dazu hatte man der Pfarrerin für den Festausschuss zum Gemeindefest zugesagt. Aber als erstes hatte die Abschlussfeier der Klasse des Jüngsten im Kalender gestanden, für die es noch galt ein paar Würstchen zu besorgen und einen Salat zu zaubern. Allerdings gab es da jetzt eine Terminüberschneidung mit einem Benefizkonzert der Nachbarschaftshilfe. Und die beruflichen Belastungen waren nebenher auch noch zu tragen. Terminangelegenheiten bis zuletzt. Die Nerven bis zum Zerreißen gespannt. Auch die Kids waren ganz schön unter Druck. Referate, Klausuren, Präsentationen.

Aber jetzt sind Ferien. Endlich. Zeit zum Erholen. Zeit zur Ruhe.

Im Buch des Predigers steht:

Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Pred. 4,6)


Vielleicht kennen Sie das ja: Es gibt Tage, da stehen Sie fast genauso müde auf, wie Sie sich abends zuvor ins Bett gelegt haben. Da fehlt Ihnen einfach die Ruhe. Sie können nicht abschalten. Das, was Sie am Tag erlebt haben, verfolgt Sie bis ins Bett, bis in den Schlaf hinein. Die Folge: Sie fühlen sich morgens total ausgelaugt. Sie wollen nur noch Ihre Ruhe haben und können sie doch nicht finden. Der eine will Ihr Geld, die andere Ihre Arbeitskraft, der dritte Ihre Unterschrift und die vierte Ihr Ohr, der nächste Ihren Rat. Da sehnen Sie sich diese Handvoll Ruhe herbei, die das Innerste erquickt. Aber jetzt gibt es ja Ferien! Zeit, wo Sie mal abschalten könn(t)en, Zeit, in der Sie mal nicht rund um die Uhr und überall erreichbar sein könn(t)en, Zeit, in der Sie endlich mal das tun könn(t)en, was Sie so lange schon wollten. Sind Sie ein Typ, dem es gelingt, dieses Nichtstun und Leerwerden wirklich auch mal umzusetzen?

Oder sind Sie so drin in Ihrer Geschäftigkeit, dass Sie es gar nicht schaffen richtig abzuschalten? Fühlen Sie sich gar unter Rechtfertigungsdruck? Aber ist der, der mal ganz in Ruhe die Zeitung liest oder mit seinen Kindern spielt, der auch mal offen sagt: "Du, ich kann das diesmal nicht übernehmen, lass mich damit jetzt bitte in Ruhe“ - ist der ein Egoist?

Wohl nicht. Vielleicht gelingt es diesem Menschen ja auf diese Weise, das Geschenk Gottes, das Geschenk der Ruhe, anzunehmen und zu würdigen.

Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Pred. 4,6)

 

In krampfhaft verschlossene Hände (Fäuste) oder in Hände, die schnell und flüchtig haschen, kann man nichts füllen. Aber in eine handvoll Ruhe passt jede Menge wertvoller Lebenserfahrungen. Gott schenkt uns Zeit und Ruhe, solche Erfahrungen zu machen und zu genießen. Er schenkt uns Zeit und Ruhe, uns von solchen Erfahrungen erfüllen zu lassen, und er schenkt uns Zeit und Ruhe, auch im Nachhinein noch davon zu zehren.

Ich wünsche Ihnen, dass die Ferienzeit für Sie eine Zeit des Anhaltens wird, dass Sie Kraft tanken können.
Möge es Ihnen gelingen, Ihre Hand und sich selbst zu öffnen, damit Gott sie (Sie) füllen kann.


Einen gesegneten Sommer!
Imke Goerlitz, Pfarrerin


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